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Trinkwasser schützen. Risiken klären.

16.08.2026 14:33 Uhr Pressemitteilungen

Erst das Trinkwasser schützen – dann über die Erweiterung des Steinbruchs entscheiden

Die geplante massive Erweiterung des Steinbruchs Reitelsberg bei Driedorf bereitet dem Vorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Herborn große Sorgen. Nach den jetzt bekannt gewordenen Planungen soll das Abbaugebiet um insgesamt 22,6 Hektar erweitert werden. Für einen ersten Abschnitt von 4,7 Hektar wurde nach Medienberichten bereits ein vorzeitiger Beginn beantragt. 

Aus Sicht der Herborner GRÜNEN darf es keinen vorzeitigen Beginn geben, solange mögliche Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung Herborns nicht umfassend und nachvollziehbar geklärt sind. 

Bereits im Rahmen der Beteiligung zum Regionalplan hatten die Herborner GRÜNEN auf die besondere Situation hingewiesen. Das betreffende Gebiet grenzt an ein Trinkwasserschutzgebiet und liegt im Umfeld von Quellen der Stadtwerke Herborn. Nach den damals vorliegenden Erkenntnissen bestehen zudem Unsicherheiten über die wasserführenden Schichten in diesem Bereich. 

Stadtwerke Herborn teilen Bedenken

Diese Bedenken werden durch eine Stellungnahme der Stadtwerke Herborn vom November 2024 unterstrichen. Darin weisen die Stadtwerke darauf hin, dass die geplante Erweiterung im Nahbereich der Trinkwasserschutzgebiete ihres Quellgebiets und unmittelbar in Nachbarschaft zur Quelle 3 liegt. Zwar war zu diesem Zeitpunkt keine Beeinträchtigung der Wassermenge festzustellen. Aufgrund fehlender gesicherter Erkenntnisse über die wasserführenden Schichten konnten mögliche Auswirkungen auf die Wasserqualität – etwa Trübungen oder Veränderungen des pH-Werts – jedoch nicht ausgeschlossen werden. Die Stadtwerke haben deshalb gegenüber dem Regierungspräsidium Gießen entsprechende Bedenken angemeldet. 

„Trinkwasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage. Solange nicht zweifelsfrei geklärt ist, welche Auswirkungen die Erweiterung des Steinbruchs auf die Herborner Quellen haben kann, darf es keine unumkehrbaren Eingriffe geben“, erklären die Herborner GRÜNEN. 

Besonders kritisch sehen die GRÜNEN deshalb einen möglichen vorzeitigen Beginn. Für die Erweiterung des Steinbruchs müssen mehrere Hektar Wald gerodet werden. Allein im zweiten Abbauabschnitt sollen nach den vorgestellten Planungen 6,9 Hektar Wald gerodet werden; der dritte Abschnitt umfasst weitere 10,1 Hektar Wald. 

Im Klimawandel zählt jeder intakte Wald

In Zeiten eines massiv fortschreitenden Klimawandels ist ein Eingriff dieser Größenordnung besonders kritisch zu bewerten. Intakte Wälder sind nicht nur wertvolle Lebensräume, sondern haben auch eine wichtige Funktion für das lokale Klima und den Wasserhaushalt. Gerade angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden und sinkender Grundwasserstände muss der Erhalt bestehender Waldflächen ein besonderes Gewicht haben. 

Ersatzaufforstungen oder Ausgleichsmaßnahmen können einen über Jahrzehnte gewachsenen Wald mit seinen Funktionen für Klima, Natur und Wasserhaushalt nicht kurzfristig ersetzen. Deshalb muss auch die geplante Waldrodung bei der Entscheidung über die Erweiterung und einen möglichen vorzeitigen Beginn umfassend berücksichtigt werden. 

Die Herborner GRÜNEN erwarten deshalb vom Regierungspräsidium Gießen eine transparente Beantwortung insbesondere folgender Fragen: 

  • Welche aktuellen hydrogeologischen Untersuchungen liegen speziell für die jetzt geplanten Erweiterungsflächen vor? 
  • Wie werden die von den Stadtwerken Herborn vorgebrachten Bedenken hinsichtlich der Quelle 3 fachlich bewertet? 
  • Kann ausgeschlossen werden, dass Sprengungen und der fortschreitende Abbau Auswirkungen auf Qualität oder Ergiebigkeit der Herborner Quellen haben? 
  • Auf welcher fachlichen Grundlage könnte ein vorzeitiger Beginn zugelassen werden, bevor das eigentliche Verfahren abgeschlossen ist? 

Sichere Trinkwasserversorgung vor wirtschaftlichen Interessen

„Wirtschaftliche Interessen am Basaltabbau sind nachvollziehbar. Sie dürfen aber nicht Vorrang vor einer dauerhaft sicheren Trinkwasserversorgung haben. Wo erhebliche Zweifel bestehen, müssen diese zuerst ausgeräumt werden – und nicht erst, nachdem Wald gerodet und der Abbau begonnen wurde.“ 

Die Herborner GRÜNEN fordern daher, vor einer Entscheidung über einen vorzeitigen Beginn sämtliche Auswirkungen auf das Trinkwassereinzugsgebiet umfassend zu untersuchen und die Ergebnisse öffentlich und nachvollziehbar darzulegen. 

Unser Grundsatz ist klar: Erst Trinkwasserschutz klären – dann entscheiden. 

Grundlagen: Stellungnahme von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Herborn zur erneuten Beteiligung am Regionalplan Mittelhessen; Schreiben der Stadtwerke Herborn vom 15. November 2024; aktueller Bericht zur geplanten Steinbrucherweiterung.